Braucht jeder Läufer einen Zweitschuh?

Wie viele Laufschuhe sollte ein Läufer im Schuhschrank haben?

Mehr als ein Paar kann niemand gleichzeitig tragen – dennoch geht der Trend zum Zweitschuh – mindestens. Viele Hersteller empfehlen sogar, für jede Laufeinheit in der Woche einen eigenen Schuh zu besitzen. Wer also dreimal trainiert, sollte mindestens drei Paar Laufschuhe zur Auswahl haben. Ist das nur Marketing oder steckt wirklich etwas dahinter?

 

Warum Gewohnheiten problematisch sind

Im Prinzip ist Laufen ziemlich simpel: Wir setzen einen Fuß vor den anderen und wiederholen den Vorgang oft. Sehr oft. Genau da liegt das Problem: Bei einer Bewegung, die so häufig wiederholt wird, können schon kleinste Fehlstellungen auf Dauer große Schmerzen verursachen. Hinzu kommt, dass wir und damit unser Bewegungsapparat uns mit der Zeit an den Laufschuh gewöhnen. Er beeinflusst, wie wir laufen. Wer längere Zeit mit ein und demselben Schuh trainiert, hat beim Wechsel auf ein anderes Modell zu Beginn häufig Schwierigkeiten. Das liegt daran, dass der neue Schuh den Körper anders belastet als der alte – zum Beispiel durch eine geringfügig niedrigere Sprengung oder weniger Stabilität im Mittelfußbereich.

Abwechslung ist der Schlüssel

Im Fitnessstudio würde niemand jeden Tag die gleiche Übung mit dem gleichen Gewicht und der gleichen Anzahl von Wiederholungen ausführen. Auf diese Weise würde kein Reiz gesetzt, das Training wäre ineffektiv. Viel mehr noch: Die einseitige Belastung würde die Anfälligkeit für Verletzungen steigern. Wer so trainiert und dann eine neue Übung ausführen möchte, wird diese zu Beginn nur schwer bewältigen können.

Genauso einseitig ist das Training mit dem immer gleichen Laufschuh. Wer regelmäßig läuft, sollte seinem Körper Abwechslung gönnen – die Laufbewegung selbst ist schließlich schon eintönig genug. Wer einen Zweitschuh ins Repertoire aufnimmt, fordert die Muskulatur auf eine andere Art, erhöht den Trainingseffekt und verringert gleichzeitig das Verletzungsrisiko. Dazu kommt, dass der Wechsel auf einen neuen Schuh nicht mehr so schwierig ist, wenn der Körper bereits an Abwechslung gewöhnt ist.

Wie wähle ich den Zweitschuh aus?

Das Wichtigste ist, dass auch der Zweitschuh zur Pronationsbewegung passt. Wer unsicher ist, ob er einen Neutralschuh oder einen Stabilschuh benötigt, sollte in einem Fachgeschäft eine Laufanalyse durchführen lassen – zum Beispiel bei einem der RUN1ST Händler. Es bietet sich an, als Zweitschuh ein vergleichbares Modell einer anderen Marke zu wählen. Viele Laufschuhe haben sehr ähnliche Eigenschaften und unterscheiden sich vor allem in den Dämpfungssystemen. So lässt sich einerseits Abwechslung erzielen, gleichzeitig überfordert der neue Schuh den Läufer aber nicht. Wer zum Beispiel mit dem Saucony München gut zurechtkommt, kann mit großer Wahrscheinlichkeit auch den Brooks Defyance laufen.

Natürlich muss der Zweitschuh dem ersten Laufschuh nicht zu ähnlich sein. Wer gern etwas für seine Lauftechnik tun möchte, sollte einen flexiblen Schuh wie beispielsweise den Brooks PureFlow ausprobieren. Darin muss die Fußmuskulatur viel mehr arbeiten als in einem herkömmlichen Schuh und wird so auf Dauer gestärkt. Wichtig dabei: Vorsichtig anfangen und die Distanzen nur langsam steigern. Für längere Läufe steht ja immer noch der ursprüngliche Laufschuh bereit.

Das lässt sich natürlich auch auf Wettkampfschuhe übertragen: Diese Modelle sind besonders leicht und direkt. Daher eignen sie sich vor allem für kurze und schnelle Einheiten. Das direkte Laufgefühl sorgt für eine dynamischere Bewegung und kann so den Laufstil verbessern. Auch hier ist zu beachten, den Körper zunächst langsam an die neue Belastung zu gewöhnen und bei längeren Strecken wieder auf stärker gedämpfte Laufschuhe zu setzen.

Wie viele Laufschuhe brauche ich?

Das kommt ganz auf den individuellen Läufer an. Wer einmal wöchentlich zu einer kurzen, ruhigen Joggingrunde aufbricht, wird mit einem Paar Schuhe locker auskommen. Wer jedoch ambitionierter trainiert, mehr als zweimal pro Woche läuft oder an Wettkämpfen teilnimmt, der sollte seinen Füßen Abwechslung gönnen. Nach oben gibt es natürlich keine Grenzen – theoretisch gibt es für jedes Einsatzgebiet den passenden Laufschuh: Sei es ein Trailschuh, ein Lightweight-Trainer, ein besonders flexibler oder besonders gut gedämpfter Schuh. Wir empfehlen jedoch mindestens einen zweiten Schuh zum Wechseln, um effektiver zu trainieren und Verletzungen vorzubeugen.