Rennbericht: Ironman Weltmeisterschaft Hawaii

Axel Reusch über seine achte Teilnahme beim Ironman Hawaii

1989 habe ich zum ersten Mal Kontakt zu Triathlon und dem Ironman Hawaii bekommen. Der epische Ironwar zwischen Dave „the man“ Scott und seinem ewigen Widersacher Mark „the grip“ Allen hat mich gefangen genommen. Eine gefährliche Sache, denn seitdem hat dieses Rennen mich nie mehr ganz losgelassen … In den 90er-Jahren habe ich das Thema exzessiv ausgelebt und sechsmal in Hawaii teilgenommen. Danach konzentrierte ich mich auf andere Lebensbereiche, ohne jemals ganz mit Triathlon aufzuhören. Nur die Langdistanz habe ich eher auf ein Seitengleis geschoben.

Aber alte Lieben rosten ja bekanntlich nicht und so kehrte ich 2007 (nach erfolgreicher Qualifikation 2006 beim Ironman Wisconsin) nochmals nach Hawaii zurück, um dann wieder eine längere Ironman-Pause einzulegen. Aber irgendwann wurde die Sehnsucht im Oktober (die Facebook-Bilder meiner Freunde taten ihr Übriges) dann doch wieder so groß, ich das Comeback 3.0 (oder 4.0?) geplant habe.

 

Die Qualifikation

Die Qualifikation gestaltet sich zunehmend schwierig: Die landläufige Meinung, man müsse nur alt genug werden, um die Quali zu schaffen, kann ich definitiv nicht bestätigen. Waren es in meinen Triathlon-Anfangsjahren nur sechs Qualifikationsrennen weltweit, verteilen sich jetzt die Startplätze auf über 40 Rennen. Dadurch splitten sich die Plätze so stark auf, dass man in allen Altersklassen fast einen Podestplatz belegen und in den höheren Klassen gewinnen muss, um das Ticket für Hawaii ergattern zu können. Das ist bei der steigenden Leistungsdichte kein leichtes Unterfangen.

Nachdem ich 2014 beim Ironman in Frankfurt feststellen durfte, dass man die Quali auch mit großer Erfahrung nicht geschenkt bekommt, habe ich 2015 für meinen Ironman in Kalifornien/Lake Tahoe wieder sehr viel und hart trainiert. Diesmal mit Erfolg: Es gelang mir eines meiner besten Ironman-Rennen, der 11. Gesamtrang war auch in der AK gut genug für einen Slot: Hawaii, here I come! Weil der Ironman Lake Tahoe zeitlich schon so knapp vor Hawaii liegt, galt die Qualifikation für 2016. Ich hatte also ein Jahr Zeit, um mich gut vorzubereiten.

Die Vorbereitung und die Tage vor dem Rennen

Mir war bewusst, dass in Hawaii (wortwörtlich) ein anderer Wind weht als bei einem schwach besetzten Ironman wie Lake Tahoe. Eine vordere Platzierung (weder gesamt noch AK) liegt außerhalb meiner Möglichkeiten. Nach fast 30 Jahren Triathlon kann ich mein Potential schon realistisch einschätzen. Dennoch habe ich die letzten zwei Monate vor dem Rennen sehr umfangreich trainiert (einige Wochen über 20 Stunden) und fast das ganze restliche Leben auf Pause gestellt. Auch wenn eine gute Platzierung ohnehin nicht möglich ist, steigt die Chance auf ein erfreuliches Erlebnis bei einer Langdistanz mit dem Trainingsstand doch an.

Die Tage vor dem Rennen in Kona waren schon der absolute Wahnsinn. Das Klima, das Meer, der süße Duft in der Luft … Das Hawaii-Feeling nahm uns gleich in Empfang. Auch der Hype um das Rennen wird immer größer: Nirgendwo auf der Welt wird Triathlon derartig zelebriert wie hier. Das kann einem durchaus auch zu viel werden, es gibt aber genügend Möglichkeiten, sich auch mal rauszunehmen um von dem Rummel nicht überwältigt zu werden. Jede Menge Side-Events in der Woche davor gehören aber zum Pflichtprogramm: Hoala Swim (3.8 km auf der Ironman-Schwimmstrecke) am Samstag vor dem Ironman, PATH 5 k/10 k Charity Run, Nationenparade, Underpants Run … Es ist immer was los.

Das Rennen

Dann, am 8. Oktober, fand sie statt: Die Mutter aller Schlachten, der Ironman Hawaii. Es war mein 25. Ironman-Wettkampf und meine 8. Hawaii-Teilnahme.
Axel Reusch auf dem Rad
Leider musste ich schnell feststellen, dass eine Tonne Erfahrung und eine gute Vorbereitung auch keine Garantie auf eine gute Leistung sind. Fühlte ich mich im Wasser noch gut, habe ich auf dem Rad sehr schnell gemerkt: Die Beine sind irgendwo anders, jedenfalls nicht bei mir. Schade. Ich versuchte mir die Laune davon nicht verderben zu lassen, sondern wollte mich ganz auf das Erlebnis konzentrieren. Über Phasen gelang mir das auch ganz gut: Ich genoss den Fakt, dass ich wieder bei der Ironman-WM dabei sein durfte. Es ist aber für einen immer noch ehrgeizigen Menschen wie mich nicht so erbaulich, fast sechs Stunden lang auf dem Rad überholt zu werden, sodass meine Moral zunehmend erodiert wurde. Ich war wirklich enttäuscht, ausgerechnet bei einem mir so wichtigen Wettkampf einen so miserablen Tag erwischt zu haben.

Entsprechend unmotiviert ging ich den Marathon an, denn mir war ja klar, dass dieser in der Hitze kein Spaziergang werden konnte. Immer wieder versuchte ich mich zu motivieren: Du hast dich Jahre auf diesen Tag gefreut, jetzt lass dir das Erlebnis nicht von einem schlechten Tag verderben. Das schreibt sich jetzt relativ leicht, nach sieben Stunden Wettkampf stellt sich vieles in einem anderen Licht dar. Auch wenn ich wusste, dass viele tausend Triathleten alles geben würden, um sofort mit mir zu tauschen, hielt sich meine Begeisterung für das Rennen phasenweise in engen Grenzen.

„You are an Ironman!“

Axel Reusch beim Zieleinlauf

Aber der Mythos des Rennens und der Zuspruch der anderen Athleten haben mir doch ein eindrucksvolles Erlebnis bereitet. Sieben Kilometer vor dem Ziel fielen plötzlich die Last und der Frust der letzten Stunden ab und ich konnte leicht laufen. Die Sonne ging unter, das war eine berührende Stimmung. Ich lief die letzten Kilometer durch das kleine Städtchen Kailua und versuchte alles in mich aufzunehmen. Wer weiß, ob ich nochmal die Gelegenheit habe, an diesem Wettbewerb teilzunehmen.

Im Ziel wurde ich von Mike Riley mit „Axel, you are an Ironman!“ empfangen. Ich denke, er hat recht. Man muss den Tag annehmen, wie er sich einem präsentiert. Das habe ich getan. Von der Zeit und Platzierung her war der Ironman Hawaii 2016 einer meiner schlechtesten Wettkämpfe überhaupt, aber das Erlebnis der Insel und des Rennens werde ich ewig bei mir tragen.

Axel Reusch beim Zieleinlauf


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