Outrun the sun

Schneller als die Sonne den Mont Blanc umrunden

SAMSTAG, DER 21.6.2014: Es ist der längste Tag des Jahres. Eine tollkühne Idee soll in die Tat umgesetzt werden. Asics will beweisen, dass die Firma nicht nur exzellente Laufschuhe baut, sondern dass die entsprechenden Läufer damit auch außergewöhnliche Leistungen vollbringen können.

DIE AUFGABE HEISST: einmal den Mont Blanc umrunden, und zwar schneller als die Sonne. Die nimmt sich 15 Stunden, 41 Minuten und 35 Sekunden dafür Zeit.
 

DIE AUFGABE HEISST: einmal den Mont Blanc umrunden, und zwar schneller als die Sonne. Die nimmt sich 15 Stunden, 41 Minuten und 35 Sekunden dafür Zeit. Zwei Mannschaften, ein Viererteam (Team Ultra Trail), bestehend aus dem Who is who der Berglauf- und Ultralaufszene, sowie eine 7-köpfige Crew (Team Enduro) mit Topleuten – darunter drei Frauen – aus verschiedenen Langstreckendisziplinen wollen die Sonne herausfordern und schneller als sie wieder in Chamonix sein. Wobei die Sonne den einfachen, ihr vorgegebenen Weg nehmen kann. Die Läufer jedoch müssen sich mit 9450 Höhenmetern auf der 152 km langen Strecke rund um das Mont-Blanc-Massiv auseinandersetzen. Drei Länder werden dabei gequert – glücklicherweise ohne Grenzkontrollen –, 16 Täler durchlaufen, wobei die dazugehörenden Berge das größere Problem darstellen. Nicht zu sprechen von den 27 Grad im Tal, die sich mit konstanter Boshaftigkeit mit Schnee und Eis in den Höhenlagen abwechseln. Ein GPS-Sender dient als Staffelholz – die Position der Teams ist so leicht nachzuvollziehen und wird auf einem großen Bildschirm auf dem Marktplatz in Chamonix übertragen. Die Menge fiebert mit! Insidern ist der Streckenverlauf bekannt: Es handelt sich weitgehend um die Strecke des Ultra Trail du Mont Blanc (UTMB), für den ein Streckenrekord von etwas mehr als 20 Stunden zu Buche steht. Bestimmt nicht von schlechten Eltern, doch hier steht ein Team von Weltklasse-„ Bergziegen“: Da sollten doch vier Stunden rauszuholen sein.

Und so ist es auch: Schon kurz nach dem Startschuss um 5:30 in Chamonix übernimmt das Team Ultra Trail die Führung – nicht nur vor den Enduros, sondern auch vor der Sonne – und gibt sie bis zum Schluss nicht mehr ab. Team Enduro muss sich der Sonne um lächerliche 30 Sekunden geschlagen geben. Da hätte man doch vielleicht die ein oder andere Kurve besser schneiden oder eine Bergabpassage etwas schneller nehmen sollen. Vielleicht hätte der Spanier Genis Zapater auch der Ziege nicht helfen sollen, die sich in einem Zaun verfangen hatte. Pluspunkte für die B-Note, doch die Zeit … Das Rennen jedoch wird allen Beteiligten in Erinnerung bleiben, denn für Langstreckler allgemein, Bergläufer im Besonderen, gilt: Man wächst am Gegner! Und welcher Gegner kann würdiger sein als die Sonne selbst.

Ehre, wem Ehre gebührt: Team Ultra Trail, diese Läufer hatten Streckenabschnitte zwischen 28,6 und 46,4 km zu absolvieren:

  • Der Franzose Xavier Thevenard, 26, hat mit 22 Jahren den CCC (Courmayeur-Champex-Chamonix), ein 100-km-Bergrennen gewonnen und mit 23 den UTMB auf der fast identischen Strecke

  • Kota Araki, 30, aus Japan gewann auf Anhieb den ersten Marathon, den er jemals gelaufen ist, und wurde 2013 für den „trail runner of the year“ nominiert

  • Der Schwede Jonas Budd, 40, gewann 7-mal in Folge den Swiss Alpine Run und ist Rekordhalter über 100 Meilen (rund 160 km) mit 12:32 Stunden

  • Thomas Lorblanchet, 34, aus Frankreich läuft seit zehn Jahren in der Trail-Weltspitze und gewann 2012 den Leadville 100, damals sein erstes 100-Meilen-Rennen

Um die Leistung des Teams „Enduro“ genügend hoch einzuschätzen, muss man sich die Spezialdisziplinen der Beteiligten ansehen. Angeblich besitzt der Skiläufer Genis Zapater momentan noch nicht einmal ein Paar Laufschuhe …

  • Holly Rush wurde kurzfristig eingesetzt, da Triathlon-Weltmeister Tim Don (GB) absagen musste. Somit hatte sie wenig Zeit für die Vorbereitung

  • Iazaldir Fetoza (BRA), ursprünglich ein Bahnläufer

  • Genis Zapater (SPA), Cross-Country-Skiläufer

  • Megan Kimmel (USA), Trailläuferin, arbeitet im Augenblick als Gärtnerin

  • Sylvaine Cussot (FRA), als Läuferin ein eher unbeschriebenes Blatt

  • Gert Theunis (BEL), Straßenläufer, der schnellste ASICS Angestellte

  • Lukas Naegele (DEU), Trailläufer und Gewinner des Freiburg Marathon 2014, ursprünglich ein 1500-m-Läufer