Runner’s High

Wenn Laufen zum Rausch wird

Viele Läuferinnen und Läufer kenne es: Der Punkt, ab dem das Laufen so einen unbeschreiblichen Spaß macht, die Beine nur so fliegen, der Kopf in den Tunnelmodus schaltet und man das Gefühl hat, ewig weiterlaufen zu können. Dieses Gefühl nennen Expertinnen und Experten das Runner’s High. Dieser Beitrag geht dem Phänomen auf den Grund.

 

Was passiert beim Runner’s High?

Was genau in unserem Körper passieren muss, damit wir während einer körperlichen Anstrengung ein solches Hochgefühl erleben, untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits seit vielen Jahren. Lange Zeit ist man davon ausgegangen, der Körper setze während des Laufens Endorphine frei. Das stimmt auch, jedoch konnten Forscherinnen und Forscher 2015 in Mannheim nachweisen, dass das Runner’s High auch bei einer medikamentösen Blockung von Endorphinen entsteht. Seitdem geht man davon aus, dass vor allem Cannabinoide oder auch Endocannabinoide für die Euphorie zuständig sind. Dieser körpereigene Stoff ähnelt, wie der Name schon vermuten lässt, dem Wirkstoff der Cannabispflanze. Nachdem die Forschungsgruppe diese Vermutungen auf Grundlage von Versuchen an Mäusen nachweisen konnte, wurden sie im Jahr 2021 erstmals am Menschen bestätigt. Neben den Cannabioniden sehen manche Untersuchungen auch das Hormon Leptin, das für Bewegungsdrang und Hunger verantwortlich ist, als Teilursache des Runner’s High. Hierzu gibt es aber noch keine ausreichenden Untersuchungen. Insgesamt zeigt sich also: Unser Körper setzt uns mit hauseigenen Mitteln unter Drogen, weswegen wir in einen Rauschzustand verfallen.

Wie kommt es zum Runner’s High?

Nicht alle Läuferinnen und Läufer erleben das Hochgefühl beim Laufen. Das liegt unter anderem daran, dass es kein Patentrezept gibt, um es zu erreichen. Am wahrscheinlichsten ist das Auftreten, wenn eine enorme Anstrengung über einen gewissen Zeitraum gehalten wird und die Belastung dann minimal gesenkt wird. Der Körper kompensiert die anfängliche Anstrengung durch das Ausschütten der oben genannten Stoffe. Wenn nun die Anstrengung sinkt, entsteht ein Überschuss, der dann die Euphorie bedingt. Da das aber eher wage ist und jeder Körper anders funktioniert, raten viele Expertinnen und Experten, den Fokus auf etwas ganz anderes zu legen: Den Flow.

Komm in den Flow

Der Flow ist ein sehr ähnliches Phänomen wie das Runner’s High. Allerdings steht hier die körperliche Komponente weniger im Fokus. Der Begriff wird häufig im Ball- und Mannschaftssport verwendet und beschreibt den Effekt der absoluten Konzentration. Auch hier entsteht ein Tunneleffekt und die betroffene Person kann mehr Kraft aufbringen und Schmerz aushalten. Den Flow können aber nicht nur Sportlerinnen und Sportler erreichen. Auch bei mentalen Herausforderungen ist es möglich, in den Flow zu finden. Damit du beim Laufen den Zustand erreichst, gibt es einige Tricks:
Als Erstes solltest du darauf achten, nicht zu schnell loszulaufen. Wenn du schon zu Beginn deiner Einheit die Muskeln stark beanspruchst und unter Umständen aus der Puste gerätst, ist es schwer, positiv zu bleiben.
Außerdem musst du deinem Körper Zeit geben. Längere Läufe erhöhen die Möglichkeit, in den Flow oder aber das Runner’s High zu kommen.
Um dich mehr zu pushen, kann auch Musik helfen. Durch Stimulierung fällt es leichter, die Anstrengung zu vergessen. Auch mentale Kniffe wie das wiederholte Aufsagen eines Gedichts oder Liedes können denselben Effekt bringen.
Vermeide Unterbrechungen in deinem Lauf. Wenn du auf deiner Strecke immer wieder anhalten musst, weil du zum Beispiel auf eine Ampel wartest, können die Konzentration und der Rhythmus darunter leiden.
Egal ob und wie du das Runner’s High erreichst oder in den Flow kommst, wir wünschen dir weiterhin viel Spaß beim Laufen.