Frauen im Laufsport: Höherer Puls, schwächere Leistung?

Können Frauen und Männer gemeinsam trainieren?

Wenn Läuferinnen mit Läufern zusammen trainieren und währenddessen auf die physiologischen Merkmale des Körpers achten, stellen sie meistens eins fest: Bei gleicher Belastung ist der weibliche Puls deutlich höher als der männliche. Aber was bedeutet das? Sind Frauen nicht so leistungsfähig wie Männer? Müssen Frauen härter arbeiten, um die gleiche Ausdauer zu erreichen? Die Antwort auf beide Fragen lautet glücklicherweise nein.

 

Lange Zeit galt bei der Berechnung des Optimalpulses der Männerpuls als Richtwert. Dieser wurde für Frauen nicht extra angepasst. Ein Fehler!

Frauen haben auf natürliche Art und Weise einen höheren Puls bei Belastungen. Konzentriert man sich als Frau beim Training nur auf den Puls, passiert es schnell, dass einen das Training unterfordert. Obwohl genug Luft vorhanden ist und die Muskulatur durchaus bereit ist schneller zu laufen, ist der Puls deutlich höher als bei männlichen Laufpartnern.

Warum ist der Puls von Frauen höher?

Der höhere Puls hängt mit physischen Unterschieden zwischen Mann und Frau zusammen. Rein objektiv und statistisch betrachtet haben Frauen weniger Muskelmasse. Das heißt auch, dass weniger Sauerstoff für die Muskeln vonnöten ist. Das wiederum führt dazu, dass bei Frauen die generelle maximale Sauerstoffaufnahme geringer ist. Im Schnitt können Frauen zwei Liter weniger Sauerstoff pro Minute aufnehmen, was bei 6,5 Litern als maximale männliche Aufnahmekapazität schon einen bedeutenden Unterschied macht. Auch in Abhängigkeit zum Gewicht, das ja bei Frauen meistens geringer ausfällt, lässt sich der Unterschied feststellen. Während Männer bis zu 90 Milliliter Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen können, sind es bei Frauen nur 70. Somit nehmen Läuferinnen also weniger Sauerstoff auf. Das in Verbindung mit dem generell kleineren Herzmuskel führt dazu, dass das Läuferinnenherz im Vergleich zu dem männlicher Läufer einfach deutlich häufiger schlagen muss. Das bedeutet aber eben nicht, dass Frauen dadurch leistungsschwächer sind.

Läuferinnen

Muss ich mich als Frau aufgrund meiner Hormonlage im Training zurücknehmen?

Der erhöhte Puls ist also kein Grund, zurückzustecken. Aber wie sieht es mit dem weiblichen Zyklus aus? Muss hier der Trainingsplan auf die Bedürfnisse des Körpers Rücksicht nehmen?

Generell ist es möglich, den Trainingsmonat daran anzupassen. Hier ist es beispielsweise ratsam, zu Beginn ein leichteres Training an den Tag zu legen und sich bis zum Ende der zweiten Woche kontinuierlich zu steigern, um dann das Niveau bis zur Menstruation zu halten. Insgesamt ist es aber immer am wichtigsten, auf den eigenen Körper und seine Bedürfnisse zu achten. Sport ist immer eine Möglichkeit, um Endorphine freizusetzen, die die Laune verbessern und Schmerzen lindern können. Wer keine Probleme hat, muss auch nichts am Laufpensum ändern.

Fazit: Sind Läuferinnen im Nachteil?

Frauen haben im Vergleich zu Männern also statistisch gesehen weniger Muskelmasse, eine höhere Herzfrequenz, einen höheren Körperfettanteil und hormonbedingte Leistungsschwankungen. Sollten Frauen also im Bezug aufs Lauftraining eher unter sich bleiben? Die Antwort ist ein entschiedenes Nein. Der Stoffwechsel reagiert bei Frauen und Männern gleich auf die Trainingsstimulation und genau dieser ist eben wichtig, wenn es um Ausdauersportarten geht. Männer sind jedoch schneller im Sprint und dadurch auch auf kürzeren Distanzen besser. Bei längeren Strecken gleichen sich die Unterschiede jedoch an. Geschlechtsspezifische Trainingspläne sind also abgesehen von der Rücksicht auf den weiblichen Zyklus nicht nötig, denn viel wichtiger als das Geschlecht sind die Fitness und der Trainingsstand. Also sollte bei der Wahl der Trainingspartner*innen lieber darauf und auf das Zwischenmenschliche geachtet werden als auf das Geschlecht.