Flexor hallucis longus

Ein kleiner Muskel mit großer Aufgabe und hoher Wirkung

Tief in der Wade sitzt er, umgeben von seinen beiden Kollegen, dem hinteren Schienbeinmuskel (musculus tibialis posterior) und dem Schollenmuskel (m. soleus). Sein Name: Langer Großzehenbeuger. Er kann sich nicht zur Schau stellen, man kann ihn nicht bewundern, er arbeitet im Verborgenen, und ständiges Arbeiten ist er gewohnt. Geht es um Fortbewegung – Gehen, Laufen, Springen oder Sprinten –, ist es seine Aufgabe, uns zu beschleunigen. Je schneller, höher, weiter, desto mehr Einsatz wird von ihm gefordert. Bei statischer Belastung ist er als Stabilisator des gesamten Fußes gefordert.

 

Ein kleiner, langer, sehr wichtiger Muskel

Wer ist er nun, der mit dem schönen lateinischen Namen musculus flexor hallucis longus? Ein Muskel – klar, deshalb musculus – zur Flexion: nach unten zum Untergrund hin bewegend, deshalb flexor. Dies tut er mit dem Hallux, dem großen Zeh. Und da er noch einen Bruder mit ähnlichen Aufgaben hat, der aber wesentlich kürzer ist, bekommt unser Muskel die Zusatzbezeichnung longus: der lange. Und was sind seine Aufgaben? Er beugt den großen Zeh und unterstützt die Flexion des Fußes nach unten Richtung Fußsohle (planta), deshalb auch Plantarflexion genannt. Wird im Stehen der fle xor hallucis MUSCULUS longus Großzeh nach unten auf den Boden gedrückt, wirkt sich dies auf die Körperachse aufrichtend aus. Die Spannung unter dem Fuß wird erhöht, die gesamte Konstruktion angespannt. Da die Sehne des flexor hallucis longus mehr auf der Fußinnenseite verläuft, ist die Spannung dort am höchsten. Wenn alles funktioniert, wirkt sich diese Sehne sowohl gegen eine Senkfuß- als auch gegen eine Knickfußstellung aus.

Beim Gehen oder Laufen hat der Großzeh den letzten Bodenkontakt. Mit seinem Druck kurz vor dem Abheben des Fußes erzeugt er die Beschleunigung. Je schneller die Disziplin, desto wichtiger die Kraft dieses Muskels – kein Sprint, kein Sprung, keine Beschleunigung ohne ihn. Wer ihn gut trainiert, wird es spüren. Bei wem dies bereits während des Wachstums geschah, ist prinzipiell im Vorteil. Besonders bei Kindern mit Knickfüßen ist auf seine Aufschulung zu achten. Sportarten mit hohem Anteil an Laufund Sprungbewegungen sind ein Muss für eine gute Ausbildung des Großzehenmuskels und all seiner Mitstreiter. Das Grundgelenk muss bewegt werden, nur dann wird die Muskulatur gefordert. Sportarten, in denen der Fuß in einem starren oder sehr engen Schuh eingesperrt ist, bringen in diesem Zusammenhang nichts. Dazu zählen etwa Radschuhe, Inliner, Skischuhe, Schlittschuhe, Fußballschuhe, Spikes und Kletterschuhe.

Somit ist der flexor hallucis longus ein kleiner, langer, sehr wichtiger Muskel. Sein Dasein fristet er dennoch leider zu oft sehr passiv, da in unserer heutigen Gesellschaft Sitzen und Liegen die Oberhand haben. Gerade bei Kindern fällt auf, dass kraftlose Knick- Senk-Füße erheblich zunehmen. Wer hier vorbeugen möchte, dem wird Training empfohlen: barfuß laufen im Sand oder auf dem Rasen sowie Training in Schuhen mit flacher Sohle und hoher Flexibilität im Vorfuß (z. B. Natural-Running- Schuhe), um dadurch den Fuß zu stabilisieren, die Spannung zu erhöhen und dann zu genießen: Schneller, höher, weiter! Das sind die Ergebnisse.